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Seefischmarkt
Schon seit frühester Zeit gab es an der Ostseeküste und damit auch der Kieler Förde den Fischfang. Der Handel und Verkauf erfolgte jedoch zunächst fast ausschließlich vor Ort, in und um einer um die Jahrhundertwende erbauten Fischhalle (das heutige Schifffahrtsmuseum) am Seegarten in der Kieler Innenstadt. Der dortige Fischhandel war mit um die 1.600 Tonnen Fisch pro Jahr gerade in der Lage, den lokalen Fischbedarf zu befriedigen.
Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele aus Ostpreußen und Pommern geflüchtete Fischer, zum Teil mit ihren eigenen Fischkuttern und arbeitslose Dockarbeiter nach Kiel an die Förde. Der Fischfang und -handel stieg sprunghaft an. Nach Verhandlungen mit der damaligen Militärregierung war es möglich, das zum größten Teil im Krieg zerstörte Gelände am Südufer der Schwentinemündung für den Aufbau eines Seefischmarktes zu erschließen. Und so wurde schließlich am 06. März 1948 der erste Gesellschaftsvertrag der Kieler Seefischmarkt GmbH von Oberbürgermeister Andreas Gayk für den Gesellschafter Stadt Kiel sowie Landesminister Bruno Dieckmann für den Gesellschafter Land Schleswig- Holstein mit dem Geschäftsführer Otto Voss aufgesetzt. Nun ging es daran, aus den Kriegstrümmern eine neue Infrastruktur und eine Basis für den Fischhandel aufzubauen. So wurde der Hafen restauriert, das Schienennetz auf den Transport von Ware umstrukturiert, Zufahrtswege für Laster und Schiffe geschaffen und auch Reedereien, die Fischdampfer bauen und reparieren konnten, ins Leben gerufen. Fischverarbeitungsbetriebe, ein Kühlhaus und neue Kraftwerke für die Energieversorgung kamen nach und nach dazu. Anfang der fünfziger Jahre wurde auf dem Gelände ein Eiswerk betrieben, das bis zu 100 Tonnen Eis pro Tag zur Kühlung der Fische produzieren konnte, die vor allem aus der Ostsee angelandet und später auch mit 20 großen Kuttern von der Außenstelle Büsum aus der Nordsee gefischt wurden. Nachdem viele Jahre der Seefischmarkt verschiedenen wirtschaftlichen Schwankungen unterworfen war, kam 1971 der entscheidende Einschnitt. Da immer mehr andere Küstenstädte, insbesondere an der Nordsee, die Versorgung mit Fisch übernahmen und die Anlandungen ausblieben, musste die Fangflotte immer mehr verkleinert und die Betriebe geschlossen werden. Weiter ständig sinkende Anlandungsmengen führten dann schließlich zur Aufgabe aller mit dem Fischmarkt verbundenen Infrastruktur wie die Außenstelle, das Eiswerk und Tiefkühllager. Die Fischfrostung und damit auch das Unternehmen Kiel Frost GmbH & Co KG musste aufgegeben werden. Somit verkleinerte sich der Fischhandel und man ging neue Wege, um das frei gewordene Gelände und die leer stehenden Gebäude nutzen zu können. Heute kommt der Fisch für die wenigen Fisch verarbeitenden Betriebe im LKW aus Dänemark und Cuxhaven.
1987 entschied die Landesregierung Schleswig-Holstein, Räumlichkeiten für das neu gegründete Forschungszentrum für Marine Geowissenschaften -GEOMAR- auf dem Gelände des Seefischmarktes anzumieten. Das GEOMAR etablierte sich schnell und wurde immer weiter ausgebaut. Bis 1990 wurden etwa ein Viertel der Fläche an GEOMAR vergeben. Heute ist der Seefischmarkt ein normales Gewerbegebiet am Meer, es arbeiten hier fast 800 Menschen in über 40 Firmen, das Gebiet entspricht der Fläche von 70 Fußballfeldern, die Nutzfläche der Gebäude allein wären 42 Fußballplätze. Das Gewerbegebiet zeigt sehr schön wie sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung Baubestand und Nutzung den veränderten Verhältnissen anpassen mussten.

Die komplette Renovierung des Geländes und die Sanierung und der Neubau der Gebäude wird heute vom Zentrum für maritime Technologie und Seefischmarkt - ZTS Grundstücksverwaltung GmbH betrieben, die sich um die Ansiedlung wissenschaftlicher und technischer Forschungs- und Studieneinrichtungen auf dem Gebiet der Meereswissenschaften - dazu zählen insbesondere die Einrichtungen von GEOMAR und fachnah arbeitende Hochschulinstitute und Firmen - bemüht.

Auf dem sehr schön gestalteten und auch neu begrünten Gelände hat sich mit dem Wandel der Handel wieder eingestellt. Ob Wochenmarkt, Bäcker oder Fischspezialitäten im Fabrikverkauf, alles wird geboten. Verschiedene Sportboothäfen beherbergen Segel und Motorboote jeder Größe. Die Schwentinefähre verkehrt werktäglich zum Westufer und Forschungsschiffe liegen regelmäßig am Kai von GEOMAR zur Vorbereitung von neuen Forschungsreisen.
Auch wenn der direkte Durchgang vom Förde- und Schwentinewanderweg noch nicht realisiert werden konnte und auch der Zugang auf die lange Mole des Mariearsenals noch nicht auf Dauer gewährleistet ist, kann man den neuen Seefischmarkt als schönsten Zugang des Ostufers zur Förde südlich der Schwentine bezeichnen.

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